Turmbergbahn Karlsruhe

Foto: S. Wolfer
Die beschriebene Anlage ist die älteste, in Betrieb befindliche Standseilbahn Deutschlands. Nachdem 1886 erstmals die Idee einer Bergbahn auf den Turmberg von Geschäftsleuten erörtert wurde, bekam ein Jahr später der Freiburger Zivilingenieur Karl Müller den Auftrag, Pläne für eine solche Anlage zu erstellen. er entschied sich für eine Standseilbahn System Riggenbach, die sich in der Schweiz bereits mehrfach bewährt hatte. Bereits im April gründete sich die AG Durlach Thurmberg, am 12. Mai die "Drahtseilbahn AG Durlach Thurmberg". Nachdem am 23. Mai das Großherzogliche Ministerium die Baugenehmigung erteilt hatte begann am 16. Juni der Bahnbau mit dem ersten Spatenstich. Die ursprünglich noch für 1987 vorgesehene Betriebseröffnung konnte auf Grund widriger Witterungsverhältnisse erst 1988 stattfinden. Ab 18. April fanden Probefahrten statt, die feierliche Einweihung war am 1. Mai; einen Tag später begann der offizielle Fahrbetrieb, ca. 4 Monate vor Betriebsaufnahme der Nerobergbahn Wiesbaden, die bis heute noch nach dem Riggenbachschen Wasserbalastprinzip arbeitet. Das für den Fahrbetrieb erforderliche Wasser wurde in den ersten Betriebsjahren einem 40 Meter tiefen Brunnen entnommen, später dann mit einer Dampfmaschine in ein Reservoier auf den Berg gepumpt, Ab 1909 erfolgte dessen Bezug vom Wasserwerk Durlach. Am 12. Juli 1913 riss das Zugseil in Höhe der Abtschen Weiche aus unbekannten Gründen. Die automatische Sicherheitsbremse stoppte die Wagen jedoch sofort und die 14 Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon. Lediglich eine Person verletzte sich an der Hand. Während der Zeit des 1. Weltkrieges musste der Betrieb der Bergbahn wegen Personalmangels für längere Zeit eingestellt werden. Auch im 2. Weltkrieg wurde der Fahrbetrieb unterbrochen, ab 4. September 1939 fährt die Bahn nicht mehr, jedoch kann sie bald nach Ende der Kampfhandlungen mit Frankreich wieder ihren Betrieb aufnehmen. 1945 kehrt der Krieg nach Karlsruhe zurück. Turm und Anlagen werden durch Artilleriebeschuss stark beschädigt, auch das Seil wird durch eine Granate zerstört. Am 4. April 1946 ist die Anlage in soweit instand gesetzt, dass der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Wurden in den Jahren seit Gründung der Bahn ständig Erhaltungs- und Verbesserungsarbeiten durchgeführt war es Anfang der 60-er Jahre an der Zeit, die Anlage grundlegend zu erneuern. Nach umfangreicher Diskussion entschied man sich für den Beibehalt des Standseilbahnsystems, wobei anzumerken ist, dass eine Umfrage unter der Bevölkerung den Bau einer Seilschwebebahn favorisierte. Als technisch und kostenmäßig günstigste Variante kam jedoch das Projekt einer elektrisch betriebenen Standseilbahn zum tragen. Bereits am 25. August 1966 erfolgte die Jungfernfahrt der neuen Bahn, die jedoch nicht von Erfolg gekrönt war: ein Wagen entgleiste in Höhe der Ausweiche. Nach diesem Missgeschick bewährte sich jedoch die Anlage; 1988 konnte sie ihr 100-jähriges Jubiläum feiern.
| Ort: | Karlsruhe Durlach | Karlsruhe Durlach |
| Betreiber: | Drahtseilbahn Durlach AG | Verkehrsbetriebe Karlsruhe |
| Bergbahn: | Turmbergbahn 1888-1965 | Turmbergbahn ab 1966 |
| Art: | Standseilbahn mit Bremszahnrad, Zahnstange und Wasserbalast | elektrische Standseilbahn |
| System: | Riggenbach | Abt |
| Spurweite: | 1000 | 1000 mm |
| Streckenlänge: | 330 | 315 m |
| maximale Steigung: | 35 | 36 % |
| Höhe Talstation: | 140 | 140 m |
| Höhe Bergstation: | 240 | 240 m |
| Höhendifferenz: | 100 | 100 m |
| Fahrzeit: | 4 | 3 min |
| Geschwindigkeit: | 1,2 | 2,0 m/s |
| Zugseildurchmesser: | 26 mm (verzinkte Stahldrähte) | |
| Zugseilbruchlast: | 47400 kg (neunfache Sicherheit) | |
| Umlenkscheibendurchmesser: | 2,60 m | |
| Leonardsatz: | Drehstrommotor mit 58n kW, Generator 52 kW | |
| Steuerung: | von der Bergstation und von den Wagen jeweils Hand- und Automatikbetrieb möglich | |
| Wagen: | 2 | 2 |
| Plätze / Wagen: | 25 | 60 |
| Wagenlänge: | 7 | 8 m |
| Wagenbreite: | 2,20 | 2,30 m |
| Wagengewicht: | 4000 kg + 4000 Liter Wasser | 5820 kg |
| Beförderungsleistung jährlich: | 50000 | 50000 Personen |
| Eröffnung: | 2. Mai 1988 | 3. September 1966 |
| Modernisierung: | 1965/66 neue Wagen, neue Strecke, Leonard-Antrieb | 1979 Linienleitersteuerung |
Am Umbau 1965/66 beteiligte Firmen:
* Konstruktion, Fahrwerk, Gleise, Antrieb: Pohlig - Heckel - Bleichert
* Wagenkästen: Maschinenfabrik Eßlingen
* Planung Stationsgebäude: Architekt Bucerius
* Bau der Stationen: Rohde & Co
* Streckenarbeiten: Strabag.
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Bild 1: Talstation. Bild 2: Brücke hinter der Talstation. Bild 3: Ausfahrt Talstation. Bilder 4 - 7: Ausweiche. Bilder 8 - 12: Wagen. Bilder 14 und 15: Einfahrt in Bergstation: Bild 16: Wagendetail. Bild 17: Seilumlenkrolle. Bild 18: Schautafel. Bild 19: Wagenfahrpult. Bild 20: Relais. Bild 21: Kasse. Bild 22: Fahrpreise. Bild 23: Technikdaten Bild 24: Hinweis.
Fotos: S. Wolter