Julius Pohlig, PHB & PWH

Foto: ThyssenKrupp Fördertechnik GmbH

Julius Pohlig, geboren im Jahre 1842 in Leichlingen, studierte in Karlsruhe Maschinenbau und war nach dem Studium als beratender Ingenieur an der Friedrich-Wilhelm-Hütte in Troisdorf tätig. Bereits mit 25 Jahren übernimmt er einen Lehrstuhl an der Siegener Baugewerbeschule und gibt das Buch "Maschinenteile" heraus. 1874 gründet Pohlig in Siegen ein Ingenieurbüro für Bergwerks- und Hütteneinrichtungen, 1873 wird seine erste Materialseilbahn zum Transport von Erz im Siegerland ihrer Bestimmung übergeben. Es folgt die erste Doppeldrahtseilbahn zur direkten Begichtung der Rümelinger Hochöfen. 1890 verlegt Pohlig seinen Firmensitz nach Köln und errichtet dort eine Maschinenfabrik. Die für die spätere Entwicklung so wichtige Kooperation mit Felten & Guilleaume beginnt, Drahtseile dieser Firma kommen verstärkt zum Einsatz. Otto, früherer Geschäftspartner Bleicherts, nimmt mit Pohlig Kontakt auf. 1992 übernimmt Pohlig die Drahtseilbahn-Unternehmen Th. Otto und Th. Obach - die Pohlig GmbH Wien entsteht. Durch die Übernahme erlangt Pohlig den Zugriff auf jene Bleichert-Patente, welche Bleichert Otto bei deren geschäftlicher Trennung unendgeldlich überlassen hatte. Otto wurde im Gegenzug Aufsichtsratsmitglied bei Pohlig. 1899 wird das Unternehmen in die J. Pohlig AG umgewandelt. Hauptproduktionsgebiet war die Herstellung von Gurtbandförderern, Drehkranen, Waggonkippern sowie kompletten Lager- und Transportsystemen. 1908 errichtet Pohlig im Auftrag der englischen Regierung bei Hongkong seine erste Personen-Seilschwebebahn. Die Bahn verkehrte über Morast und Schluchten nach dem "deutschen System", es handelte sich um eine kuppelbare Zweiseil-Umlaufseilbahn mit 14 Zwei-Personenkabinen mit Pohl'schen automatischen Klemmapparat. 1912 erhält Pohlig den Auftrag zur Errichtung einer reinen Touristenbahn auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro. Erstmalig wurden bei einer Personenschwebebahn zwei Tragseile pro Fahrbahn eingesetzt, zusätzlich lief neben dem Zugseil ein leer laufendes Reserveseil mit, welches bei Ausfall des Zugseils der Bergung der 16-plätzigen Kabinen dienen sollte. Ebenso war, wie beim Wetterhornaufzug, eine Notkabine mit Handwinde vorhanden. Die von Pohlig entwickelte Fangbremse beruhte auf seinem Schraubenkupplungsapparat für Materialseilbahnen. Julius Pohlig erhielt 1912 die Ehrendoktorwürde zum Dr. Ing., 1916 verstarb er. 1923 baut das Unternehmen das weltweit größte Elektrohängebahnsystem für die Farbwerke Hoechst.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die führenden deutschen Stahlbauunternehmen in ein überregionales Netz von Firmenabsprachen eingebunden, dessen führende Kraft die Kölner Felten & Guilleaume Carlswerke AG darstellte. Geheime Branchenabsprachen zwischen den großen deutschen Seilbahnherstellern Bleichert, Heckel, Pohlig und der Kölner Firma minderten den Konkurrenzdruck auf die einzelnen Firmen. Mit Beginn der 1920er Jahre verringerte sich das Auftragswachstum - die Organisation eines Kartells wurde zur dringenden Aufgabe, um neue unliebsame Konkurrenz, so die ATG, einzubinden. Infolge dieser Bemühungen kam es am 10.9.1926 zum Zoll-Ausschluss-Vertrag (ZAV), dem neben Pohlig Bleichert, die ATG und ab dem 1.1.1927 die Saarbrücker Gesellschaft für Förderanlagen Ernst Heckel mbH angehörten. In diesem Kartell wurden die Aufträge nach vereinbarten Quoten aufgeteilt - nach außen hin trat man aber nach wie vor als selbständige Einzelfirmen auf. Die ursprüngliche Quotenverteilung sah 44,1 % für Bleichert gegenüber 23 % für Pohlig und 13,7 % für Heckel vor. Pohlig und Heckel versuchten von Anfang an, günstigere Quoten gegenüber dem Marktführer Bleichert zu erzielen. Gleichzeitig versuchte Max von Bleichert alles, seine Position gegenüber Pohlig und Heckel auszubauen. Diese Entwicklung blieb dem Direktor der Carlwerke, Georg Zapf, nicht verborgen - der ausführliche und sehr direkte Briefwechsel zwischen Bleichert und Zapf belegen dies. Die beginnenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise wurden seitens der Unternehmensführung der Firma Bleichert völlig falsch eingeschätzt. Durch Expansion und damit einhergehender Verschuldung des Unternehmens versuchte Bleichert, seine Vormachtstellung gegenüber Pohlig und Heckel zu behaupten. 1927 übernehmen die Carlswerke Heckel, 1933 Pohlig und Bleichert, wobei zu bemerken ist, dass die Felten & Guilleaume Carlswerke AG zu jenem Zeitpunkt nicht mehr selbständig ist - sie gehört der luxemburgischen Schwerindustrie-Gesellschaft ARBED. 1962 fusionieren Pohlig und Heckel sowie der nach dem Krieg nach Köln gegangene Bleichert-Zweig zur PHB.

Im Jahre 1988 musste die PHB Weserhütte AG, die 1980 aus der Fusion der PHB Pohlig-Heckel-Bleichert Vereinigte Maschinenfabriken AG in Köln (ehemals Pohlig) und St.Ingbert/Rohrbach (ehemals Heckel) und der Weserhütte AG in Bad Oeynhausen hervorgegangen ist, Konkurs anmelden. Der Geschäftsbereich in St.Ingbert-Rohrbach (Saarland) wurde allerdings einen Tag nach dem Konkurs von der Orenstein & Koppel AG (O&K) in Dortmund übernommen und die Geschäftbereiche in Köln und Bad Oeynhausen geschlossen. Es gab allerdings eine Ausnahme: Die damals in Köln ansässige Seilbahnabteilung wurde von O&K aufgrund des laufenden Auftrages „Umbau Schauinslandbahn Freiburg“ übernommen und ein Jahr später von Köln nach St. Ingbert-Rohrbach verlagert. Die Firma nannte sich zu diesem Zeitpunkt „PWH Anlagen und Systeme GmbH“.
Seit 1988 wurden unter dieser Firmierung die Schauinslandbahn in Freiburg, die Seilbahn auf den Brevent in Chamonix, die Rofanseilbahn in Maurach am Achensee, sowie diverse Materialseilbahnen gebaut. Die Orenstein & Koppel AG gehörte ihrerseits wiederum zum Hoesch-Konzern in Dortmund, der 1992 von der Fried. Krupp GmbH in Essen feindlich übernommen wurde. Da Krupp zum damaligen Zeitpunkt eine Tochter mit Namen
„Krupp Industrietechnik GmbH“ in Duisburg-Rheinhausen hatte, deren Produktprogramm ähnlich wie das der PWH Anlagen + Systeme GmbH war, wurde die PWH Anlagen und Systeme GmbH Rohrbach/Saar in den Krupp-Konzern integriert und firmierte seit 1993 unter dem Namen „Krupp Fördertechnik GmbH“ in St.Ingbert-Rohrbach. Da der Krupp-Konzern jedoch nicht an dem "Produkt Seilbahnen“ interessiert war, wurde beschlossen, den Seilbahnbau aufzugeben. Nach mehreren Verhandlungen mit diversen Seilbahnfirmen in Österreich und der Schweiz wurde 1994 ein Vertrag mit Doppelmayr geschlossen, der die Lieferung von technischem Seilbahnzeichnungen umfasste. Somit endete 1994 die über hundertjährige Tradition des Seilbahnbaues der guten alten PHB. Durch die zwischenzeitliche Fusion zwischen Thyssen und Krupp firmiert die alte „PHB“-Kernzelle in St.Ingert-Rohrbach heute unter dem Namen „ThyssenKrupp Fördertechnik GmbH“. Diese Firma ist nach wie vor der Weltmarktführer im Bereich der Kabelkrane, die ja bekanntlich eine spezielle Art von Seilbahn sind. Insofern wird die PHB-Seilbahntradition am Standort der ehemaligen Firma Heckel in Rohrbach doch noch fortgesetzt." Der Name PHB lebt in der 1955 in Belo Horizonte gegründeten Firma "Pohlig-Heckel do Brasil Indústria e Comércio LTDA" , welche Transportanlagen speziell für den südamerikanischen Raum errichtet.

Noch heute erinnert eine Büste im alten Stadtpark von Pohligs Geburtstadt Leichlingen an den großen Sohn der Stadt, zudem sind in einigen Städten, so Leichlingen, Köln und Berlin Straßen nach dem Seilbahnpionier benannt. Firmenschriften der Firma Pohlig finden sich im Unternehmensarchiv des Deutschen Museums Berlin sowie in der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln. Letztgenannte Stiftung beinhaltet neben den Akten 9000 Bilddateien, darunter 6000 meist großformatige Fotos (Papierabzüge) und 3000 Glasnegative.

Pohlig hielt eine Vielzahl von Patenten, so das 1904 vom Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum erteilte Patent Nr. 30953 "Zugseilklemmvorrichtung an Wagen, insbesondere für Drahtseilbahnen" sowie das vom selben Amt 1910 vergebene Hauptpatent "Seilhängebahn für kontinuierlichen Betrieb".

Anzumerken ist, dass sowohl bei Julius Pohlig, Ernst Heckel, Adolf Bleichert  als auch bei deren Nachfolgeunternehmen der Bau von Seilbahnen zur Personenbeförderung nur einen sehr geringen Teil der Produktion umfasste. Der überwiegende Teil waren Materialtransportanlagen aller Art, unter ihnen Materialseilbahnen. Was bei Bleichert die berühmte argentinische Golderzbahn war, waren bei PHB / PWH die Materialseilbahnen Bela Horizonte mit 68 mm starken Tragseilen, die Materialseilbahn Nova Lima mit einem 30.000 m langen Transportseil oder die Materialseilbahn im indischen Bumpur mit 550 Stützen.

Übersicht einiger, von der Firma Pohlig und deren Nachfolgerunternehmen errichteten Großkabinenseilbahnen zur Personenbeförderung

1908 Seilbahn Hongkong
1912 Personenschwebebahn auf den Zuckerhut
1928 Seilschwebebahn Mariazell - Bürgeralpe
1931 Schwebebahn Obervellach
1933 Wolfschachtbahn - Personenstandseilbahn zwischen der siebenten und achten Sohle des Wolfschachtes der Mansfeld AG
1955 Umbau der 1. Tiroler Zugspitzbahn auf den 4-Wagenbetrieb mit Zwischenstation
1955 Télépherique de l'Aiguille du Midi
1961 Untersbergseilbahn
1962 Eibseeseilbahn
1070 Wendelsteinseilbahn
1983 Standseilbahn am Peterskopf

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Kabelkrane aus dem aktuellen Produktionsprofil der ThyssenKrupp Fördertechnik GmbH

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Bild 1: Porträt Julius Pohlig. Bild 1 - 5: Seilschwebebahn auf den Zuckerhut. Bild 6, 10 - 16: Walmedingerhornbahn. Bild 7, 17 - 21: Wendelsteinseilbahn. Bild 8: Télépherique de l'Aiguille du Midi. Bild 9: Jakobshornbahn. Bild 22 - 24: Standseilbahn am Peterskopf. Bild 25: Pohligbüste im alten Stadtpark von Leichlingen. Bild 26 und 27: 2 radial fahrbare Kabelkrane des Staudamms Karun IV/ Iran. Nutzlast eines Kranes 28 t, Spannweite 840 m. Gegenwagen auf einer sphärisch gekrümmten Fahrbahn mittels Zahnstangenantrieb verfahrbar. Bild 28 und 29: Kabelkran bei der Errichtung des Staudamms Leibis Lichte / Thüringen. Nutzlast eines Kranes 20 t. Bild 30 und 31: 5 parallelfahrende Kabelkrane  für den Staudamm Xiaowan / China. Nutzlast eines Kranes 30 t, Spannweite 1160 m, Maschinen- und Gegenwagen parallel verfahrbar. Bild 32 und 33: 2 schwenkbare Kabelkrane des Dreischluchtenstaudamms / China. Nutzlast eines Kranes 20 t. Spannweite zwischen den Masten 1415 m, Tragseildurchmesser 102 mm, Masthöhe 150 m, Masten jeweils um 20 Grad nach links und rechts schwenkbar.

Fotos: Bild 1, 2, 6, 7, 8, 26 - 33: ThyssenKrupp Fördertechnik GmbH St. Ingbert-Rohrbach. Bild 3, 4: Hanser-Verlag. Bild 5: Ottmar-Steidl-Verlag. Bild 10 - 16: M. Sowa. Bild 17 - 21: E. Schurr. Bild 22 - 24: C. Lauterbach. Bild 25: A. Stemmann / www.stadtbild-leichlingen.de