Ernst Heckel - der Erfinder der Großkabinenumlaufseilbahn

Foto: ThyssenKrupp Fördertechnik GmbH
Ernst Heckel wurde 1861 als Sohn eines Drahtseilfabrikanten geboren. Bach dem Studium in Karlsruhe baute er eine erste Seilförderanlage mit einem 12 km langen Zugseil. Es folgen der Bau von Rangieranlagen, Häspeln und Wippern für den Betrieb von Bergwerken. 1905 gründet Heckel in Saarbrücken eine Gesellschaft zur Konstruktion und Fertigung von Förderanlagen. 1906 wird die Katharinenhütte in Rohrbach Produktionsstätte für Gurtförderer, Verladeanlagen und Drahtseilbahnen. So werden 1908 umfangreiche Verladeanlagen für das schlesische Kohlerevier gebaut. 1914 baut Heckel im französischen Soumant die erste Skipförderung Europas, eine Übertageförderung von Steinkohle in großräumigen Gefäßen. 1918 erwirbt die Gesellschaft die auf Gurtförderer spezialisierte Maschinenfabrik Muth-Schmidt GmbH Berlin. Im gleichen Jahr erhält Ernst Heckel den Titel eines Kommerzienrates sowie den akademischen Grad eines Dr. Ing. h.c.. . 1921 wird der Maschinenfabrik in Rohrbach eine Eisen- und Stahlgießerei angegliedert, 1923 folgen die ersten kontinuierlich arbeitenden Kratzergeräte zum Abbau von Kalihalden. Bei der Produktion von Drahtseilbahnen stand die Firma in ständiger harter Konkurrenz zum damaligen Weltmarktführer, der Firma Adolf Bleichert aus dem sächsischen Leipzig. Eines der Hauptprobleme war, dass Heckel nicht auf die Bleichertschen Patente zurückgreifen konnte. Ein zweites Hindernis bestand in den engen Verbindungen der Firma Bleichert mit den 1873 in Köln-Mülheim gegründeten Felten & Guilleaume Carlswerken. Von dieser Firma erhielt Bleichert die benötigten Spezialdrahtseile, im Gegenzug lieferte er Transportanlagen in das Rheinland. 1927 gab es Überlegungen seitens der Firma Bleichert, das Produktionsgeschäft für Seilbahnen aufzuteilen. Dem zufolge sollte Heckel allein Transportanlagen für Frankreich und seine Kolonien liefern; Bleichert jedoch alleiniger Produzent für den deutschen Inlandsmarkt sein. Diese Ideen liesen sich jedoch nicht verwirklichen, die Gesellschaft für Förderanlagen Ernst Heckel mbH gliederte sich 1926 in die Felten & Guilleaume Carlswerke AG ein, zum 1. Januar 1927 wurde sie Mitglied im neu gegründeten Kartell, dem Zollausschluss-Vertrag (ZAV). Unter dem Namen Ernst Heckel wurden, neben den hier angesprochenen Industrieförderanlagen, Standseilbahnen und Großkabinenschwebebahnen für den Personentransport errichtet. Als Standseilbahn ragt die Oberweißbacher Bergbahn, die steilste normalspurige Standseilbahn der Welt, hervor. Auf dem Gebiet der Personenschwebebahnen ging Heckel als Pionier der Großkabinenumlaufbahnen ein. Seine 1930 in Betrieb gegangene Schauinslandbahn in Feiburg war die erste derartige Anlage weltweit. Eine weitere Anlage folgte in Venezuela mit der Avilabahn, einer Großkabinenumlaufbahn mit mehreren Sektionen. 1949 verstarb Ernst Heckel. Unter seinem Namen wurden noch lange nach seinem Tod Personenschwebebahnen durch die Firma Pohlig-Heckel-Bleichert gebaut, so die Rekordseilbahn vom Eibsee zum Zugspitzgipfel. Heckel hielt mehrere Patente, als Beispiel sei das am 15. Februar 1929 erteilte Hauptpatent zur "Zugseilkuppelvorrichtung bei Seilschwebebahnen" / Patentnummer 131485 des Eidgenössischen Amtes für Geistiges Eigentum, genannt..
Auswahl von durch die Firma Ernst Heckel sowie deren Nachfolgern errichteten Großkabinenseilbahnen:
| 1922 | Oberweißbacher Bergbahn - steilste normalspurige Standseilbahn der Welt |
| 1930 | Schauinslandbahn Feiburg - erste Großkabinenumlaufseilbahn der Welt |
| 1933 | Seilschwebebahn Megeve - Rochebrune |
| 1935 | Standseilbahn Paris - Montmartre (Umbau der 1900 durch von Roll errichteten Anlage) |
| 1935 | Seilschwebebahn Lourdes - Pibeste |
| 1936 | Seilschwebebahn Morzine - Plenay |
| 1936 | Seilschwebebahn St. Gervais - Bettex |
| 1955 | Teleferico de Carracas - Großkabinenumlaufseilbahn in vier Sektionen - größte derartige Anlage weltweit |
Bild 1: Porträt Ernst Heckel. Bild 2: Standseilbahn Paris - Mont Martre. Bild 4 - 8: Schauinsland - Großkabinenumlaufseilbahn. Bild 9 - 14: Oberweißbacher Bergbahn.
Fotos: Bild 1 und 2: ThyssenKrupp Fördertechnik GmbH. Bild 4 - 8: Freiburger Verkehrs AG. Bild 9 - 14: Günter Kretzschmar.