Bergschwebebahn Dresden Loschwitz - Oberloschwitz

 

 

 

 

In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden finden wir zwei Bergbahnen, die Standseilbahn Dresden Loschwitz - Weißer Hirsch und die Bergschwebebahn Dresden Loschwitz - Oberloschwitz. Am 06. Mai 1901 eröffnet, gilt diese Bahn als die erste Bergschwebebahn der Welt.

Alles begann Ausgang des 19. Jahrhunderts, das Loschwitzer Oberland wurde immer mehr besiedelt. 1893 wurde die wohl berühmteste Dresdner Elbbrüche, das "Blaue Wunder", so benannt nach ihrer Farbgebung, eingeweiht, die erste sächsische elektrische Straßenbahn fuhr vom Dresdner Schloßplatz über Schillerplatz, "Blaues Wunder" und Körnerplatz nach Loschwitz. Die Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen aus Nürnberg, ein Tochterunternehmen von Schuckert & Co.  war es, die die im Herbst 1893 mit ersten Bauarbeiten begann, im selben Jahr gründeten Schuckert & Co. ein neues Tochterunternehmen in Dresden, die Elektra AG. Diese AG übernahm neben weiteren Anlagen auch die Dresdner Bergschwebebahn. Am 16. Juli 1898 schließlich erteilte die sächsische Regierung die Konzession zum Bau der Bahn.

Schuckert & Co. verfügten über die Patente von Eugen Langen zum Bau von Einschienenbahnen. Dies gab den Ausschlag dafür, dieses System weltweit erstmalig ( und auch einmalig ) für den Bau einer Bergbahn zu nutzen. Bauausführende Firma und auch Lieferant der vier Wagen waren die Vereinigte Maschinenbau AG Nürnberg, heute MAN. Der leichte Bogen im Bereich der Talstation ist übrigens der Tatsache geschuldet, dass man ein avisiertes Grundstück am Körnerplatz nicht kaufen konnte, die massive Konstruktion der Bergstation dagegen der Tatsche dass man den Schornstein der Dampfmaschine zu verstecken hatte.

Nach einigen Verzögerungen, die Eröffnung sollte eigentlich bereits 1900 stattfinden, war es am 06. Mai 1901 endlich soweit.. In Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich August von Sachsen wurde die Bahn eröffnet, der reguläre Fahrbetrieb begann einen Tag später. Ein regelrechter Ansturm auf die Bahn begann, allein im Eröffnungsjahr beförderte die Bahn 385 000 Personen. Dies war nur möglich, weil außer den beiden Hauptwagen die Vorsatzwagen zum Einsatz kamen. Bis 1937 standen diese Zusatzwagen zur Verfügung, dann wurden sie verschrottet. Einige Unfälle überschatteten die Anfangsjahre, so der Tod eines Schaffners beim Abspringen im Jahr 1902 und das Reißen des ersten Zugseils 1908. Allerdings kamen dabei keinerlei Personen zu Schaden - die Wagenbremsen funktionierten einwandfrei. Ursache war übrigens das Rosten des unverzinkten Zugseils von innen her.

Aus wirtschaftlichen Gründen bemühte sich die Elektra-AG sowohl die Schwebebahn als auch die benachbarte Standseilbahn zu verkaufen. So gingen beide Anlagen 1911 in das Eigentum der Stadt Dresden über, am 1. Januar 1912 übernahm die Städtische Straßenbahn den Betrieb der Anlagen. Über viele Nachfolgegesellschaften führen auch zur heutigen Zeit die Dresdner Verkehrsbetriebe AG den Fahrbetrieb.

Die Anlage blieb einschließlich ihrer Wagen bis 1984 ohne größere Veränderungen in Betrieb. Beide Schwebebahnwagen waren damit die ältesten für die Personenbeförderung im planmäßigen Linienverkehr eingesetzten Wagen Deutschlands. Natürlich fanden auch in der Zwischenzeit kleinere Verbesserungen statt, so zum Beispiel  das Schließen des Glasvorbaus der Hauptwagen (1934) und die Schaffung eines geschlossenen Maschinenstandes für den Maschinisten mit Blick auf die Fahrstrecke (1951). 1964 erfolgte die Erneuerung des Antriebsmotors, 1967 begannen Sanierungsarbeiten am Traggerüst.

1975 wurde die Gesamtanlage der Schwebebahn unter Denkmalschutz gestellt, jedoch zeigten Überprüfungsarbeiten am Traggerüst umfangreiche Mängel, ein weiterer Bahnbetrieb war nur eingeschränkt möglich. Fahrtgeschwindigkeit, tägliche Betriebszeit und Fahrthäufigkeit mussten verringert werden. Am 01. September 1981 begann die Generalreparatur der Fördermaschine und die Instandsetzung der hochbaulichen Anlagen. 1984 - 1991 erfolgten weitere Rekonstruktionsarbeiten, einschließlich Erneuerung des gesamten Tragegerüstes.2001/2002 musste die Bahn schließlich nochmals eine Rekonstruktion des Traggerüstes über sich ergehen lassen. Immerhin 230 Tonnen hochwertigen Stahls wurden verarbeitet, ein spezieller fahrbarer Montagekran kam zum Einsatz, der mit einer Winde zwischen den Stützen 12 und 26 hin und her bewegt werden konnte. Die mechanische Seilüberwachung der Bahn wurde durch eine elektronische Schlaffseilüberwachung ergänzt. Die Bergstation erhielt zwei neue Aussichtsterrassen und einen gläsernen Aufzug. Nun schwebt sie mit 101 Jahren wieder, die älteste Bergschwebebahn der Welt.

 

Betreibergesellschaft: 

 Dresdner Verkehrsbetriebe AG 

Anlagenstandort:  

Dresden Körnerplatz 

Kontakt: 

www.dvbag.de 

Bauart: 

Seilschwebebahn System Langen (Einschienenschwebebahn) mit Pendelbetrieb 

Eröffnung:    

06.05.1901 

Höhe Talstation:      

124 m 

Höhe Bergstation:     

208 m 

Höhenunterschied:      

84,2 m 

Streckenlänge:     

273,8 m 

Neigung (Durchschnitt und maximal):  

32,18 und 39,99 % 

Anzahl der Stützen:          

33 (Stütze 24 Feststütze, alle anderen Stützen Pendelstützen) 

                                                              

1901                                

1910                   

1991

Zugseildurchmesser:                            

44                                 

34                      

38 mm

Zugseillänge: jeweils 410 m

Fördermaschine:                     

2 starr gekuppelte Treibscheiben mit 4.000 mm Treibscheibendurchmesser

                                                      

 2 Dampfmaschinen           

 elektrisch              

elektrisch

Fördermaschinenhersteller:   

 Seck & Kieselbach       

 SSW                    

VEM

Leistung: 

  2 x 58,9                       

 28,7                        

80 kW

Steuerung:    

  Hand                              

 Hand                       

Funkfern

Notantrieb:                        

 Batterie                   

 Diesel

Diesel
Fahrbetriebsmittel:     2 zu je 40 Personen
Geschwindigkeit:     2,5 m/s
Fahrzeit:     2,5 min

 

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Bild 1: Talstation. Bild 2: Wagen bei der Einfahrt in die Talstation. Bild 3: Bergstation mit gläsernem Aufzug. Bild 4: Wagen in der Bergstation. Bild 5: Kommandopult in der Bergstation. Bild 6: Gegenwagen. Bild 7: Gehänge und Laufwerk. Bild 8: Detail des Laufwerks. Bild 9: Wagenfahrpult linke Seite. Bild 10: Wagenfahrpult rechte Seite. Bild 11: Detail Antrieb. Bild 12: Detail Antrieb. Bild 13: Notantrieb. Bild 14: Historisches Detail. Bild 15: Wagen 1 und 2 während der Rekonstruktion in der Talstation. Bild 16: Jubiläumslogo

Fotos: E. Schurr